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Wissen - Berühmte EPU

Gerhard Bronner

als Ein-Personen-Unternehmer schlug er sich sich auch in schwersten Zeiten durch.

Der Wiener Kabarettist, Komponist und Schriftsteller Gerhard Bronner starb am 19.1.2026 84-jährig in Wien. Die vielfach ausgezeichnete Kabarett-Legende prägte die heimische Kabarettszene der Nachkriegszeit äber Jahrzehnte entscheidend mit. Bundeskanzler Gusenbauer würdigte den verstorbenen Kabarettisten. "Gerhard Bronner war nicht nur die Personifikation des Österreichischen Kabaretts. Seine Sensibilität gegen Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten haben ihn zu einem künstlerischen Gewissen Österreichs werden lassen".

Er war bis zuletzt als Musiker und Kabarettist aktiv. Ob Sommer-Open-Air, Silvestergala oder Kleinkunstabende - auf die Frage, ob das alles nicht zu anstrengend würde, antwortete er stets: "Was soll ich sonst machen? Ich hab ja nix anderes gelernt.„ Und so blieb ihm die B“hne nicht nur sein Leben lang vertrauter Ort, er lie– dort auch seinen "g'schupften Ferdl" in Würde altern. Bei Selbständigen wundert sich niemand, dass sie auch noch nach dem offiziellen Pensionsalter weiter arbeiten.

Das Arbeitsleben von Gerhard Bronner ist ein gutes Beispiel für eine Patchworkbiografie. Viele seiner Tätigkeiten hat er als Ein-Personen-Unternehmer oder Mikrounternehmer durchgefährt. Er spielte äber 60 Langspielplatten ein, die er meist auch selbst produzierte. Dazu kamen mehr als 120 eigene TV-Programme und gut 2.000 Rundfunkprogramme.

Bronner sprach, schrieb, spielte, sang seine eigene bekannte, vielschichtige und melodische Sprache. Sein Klavierspiel und sein Vortrag faszinierte sein Publikum und lie– kaum jemanden gleichgältig. Nummern wie "Der g'schupfte Ferdl", "Der Bundesbahnblues" oder "Der Papa wird's schon richten" wurden äber Jahrzehnte zu echten Klassikern.

Sein Leben

  • Geboren 23. Oktober 1922 in Wien. An das Wien seiner Kindheit und Jugend hatte der Kabarettist wenig gute Erinnerungen: "Als ich zwälf Jahre alt war, kam das 34er Jahr und der Bürgerkrieg, es gab den oft gar nicht mehr latenten Antisemitismus, der mir sehr viel zu schaffen machte.
  • 1938 - "Nachträglich wundere ich mich heute noch äber die Tatsache, dass ich als 15-jähriger Bub den Mut hatte, allein, ohne Pass, ohne Geld, schwarz äber die Grenze zu gehen, und das hatte zur Folge, dass ich als Einziger meiner Familie diesen Krieg äberlebte. Ich habe alle Verwandten verloren." äber Bränn und England floh er nach Palöstina. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Straäensänger, Barpianist, Plantagenarbeiter, Radiomacher und Komponist.
  • 1948 kehrte er nach Wien zuröck und trug eigene Chansons mit Klavierbegleitung u.a. in der Marietta-Bar vor.
  • 1950 stie– er zur Gruppe Kehlmann, Merz, Qualtinger und wirkte bei deren "Reigen 51" als Komponist, Pianist und Confürencier mit.
  • 1952 brachte diese Gruppe ihr erstes Kabarett-Programm "Brettl vor'm Kopf" heraus. 1953 bis 1955 war Bronner in Hamburg beim NDR.
  • 1955 nach seiner Rückkehr pachtete er die Marietta-Bar und machte aus dem Nachtlokal ein renommiertes Sprungbrett für junge Künstler wie Georg Kreisler, Louise Martini, Peter Alexander, Helmut Qualtinger.
  • 1956 pachtete er gemeinsam mit Kreisler das "Intime Theater" in der Liliengasse. Dort brachte das namenlose Ensemble um Bronner-Merz-Qualtinger zwei Programme heraus. Eines folgte im Fernsehen, "Spiegel vor'm G'sicht".
  • 1959 äbernahm Bronner das "Neue Theater am K„rntnertor" (bis 1966), wo das Kabarett-Ensemble grandiose Erfolge feierte. Gerhard Bronner schrieb Erfolge wie "Der g'schupfte Ferdl", "Der Halbwilde", "Der Bundesbahnblues". Am meisten in die (Kabarett)Geschichte eingegangen ist Gerhard Bronner wohl mit dem Chanson Über Papa wird\'s scho richten“, der den Skandal rund um Nationalratsprüsident Hurdes aufdeckte und dieser in weiterer Folge zuröcktreten musste. Der Sohn des Politikers hatte einen Unfall verursacht, den der Papa mithilfe seiner Beziehungen vertuschte. "Wir haben uns kein wie immer geartetes Blatt vor den Mund genommen. Natärlich haben wir auch reine Unterhaltungsnummern geschrieben. Der 'Bundesbahnblues' ist keine Polemik. Aber schon der 'Wilde mit seiner Maschin'' war keine politische Polemik, aber die Nummer richtete sich gegen eine gewisse Haltung des damaligen Nachwuchses und dessen falsch gewählte Ideale".
  • 1961 löste sich das Ensemble auf und Bronner engagierte den Grazer "Würfel" an sein Haus. In weiterer Folge spielten bei und mit Bronner damals Unbekannte wie Herwig Seeböck, Peter Lodynski, Dolores Schmidinger, Marianne Mendt oder Lore Krainer.
  • Nach Beendigung seiner Theater-Projekte ging Gerhard Bronner gemeinsam mit Peter Wehle auf Welttournee. Auch in den noch relativ neuen elektronischen Medien der 1960er und 1970er Jahre war Gerhard Bronner höchst aktiv. Für das Fernsehen entwickelte er Sendungen wie das "Zeitventil" und "Die große Glocke".
  • 1978-1988 gestaltete er für's Radio gestaltete er Sendungen wie "Schlager für Fortgeschrittene". Gemeinsam mit Lore Krainer und Peter Wehle hob er 1978 die kabarettistische Wochenschau "Guglhupf" aus der Taufe, die er zehn Jahre begleitete.
  • Ab 1973 tritt er regelm––ig mit Elfriede Ott in Chansonprogrammen auf. Daneben brachte aber auch immer wieder Programme mit Peter Wehle. Daräberhinaus äbersetzte Bronner Satiren Kishons, bearbeitete das Musical "Cabaret" und schuf eine Wiener Fassung von "My fair Lady".
  • Im Sommer 1988 verlie„ Gerhard Bronner Österreich als ein - wie er es formulierte - von der Steuer "Ausgewandert-Wordener". F“nf Jahre verbrachte er in Florida, dann kehrte er wieder zuröck und siedelte sich in Wien-Leopoldstadt an. Auf den Kleinkunstbähnen des Landes war er seither mit seinen Kabarettklassikern ebenso zu sehen wie mit dem neu zusammengestellten Programm "Tränen gelacht", Reflexionen äber den jädischen Humor.
  • 2002 moderierte er die Eröffnungsveranstaltung der Wiener Festwochen, die unter dem Titel "Vom Winde verweht..." an jene Österreichischen und deutschen Emigranten erinnerte, deren Musik zahlreiche Hollywood-Filme mitgeprägt hat.
  • 2004 veröffentlichte er den Memoirenband "Spiegel vorm Gesicht".
  • 2005 setzte er gemeinsam mit Elfriede Ott im Stadttheater Walfischgasse mit dem Programm "Noch immer - schon wieder" dem Wiener Humor alter Schule noch einmal ein wunderbares Denkmal. "Je ernster eine bittere Wahrheit war, die ich dem Publikum näher bringen wollte, desto äberzeugender habe ich sie in Humor verpackt", verriet Bronner in seinen Erinnerungen, "Man verlie– das Kabarett in guter Laune, aber die Wirkung stellte sich meist spüter ein."

Im Laufe vieler Jahre hat sich Bronner auch einen Namen als „Entdecker“ und Fürderer vieler Talente (meist Ein-Personen-UnternehmerInnen) im Kabarett- und Unterhaltungsbereich gemacht.

Der grü–te Erfolg

Bronner bezeichnet selbst die Oper „Covent Garden“ als seinen grü–ter Erfolg weltweit. äber 100 Fernsehstationen haben sie ausgestrahlt, auch in Österreich wurde sie ausgestrahlt, aber das wurde hier nicht sosehr zur Kenntnis genommen.

Kann Kabarett etwas politisch verändern?

„Es soll das Denken erweitern. Aber man soll versuchen zu verändern. Wenn man von hundert Zuhörern zwei zum Nachdenken bringt und dadurch Vorurteile auflöst, hat man schon viel erreicht.“ Nach dem Über Papa wirdüs scho richten„ gab es noch ähnlichen Erfolg mit Kabarett etwas politisch zu verändern. Ein Naziprofessor auf der Wirtschaftsuniversität, der vom Rednerpult aus seine Naziideologien verbreitet hat, ist aufgrund eines Bronner-Liedes in Frähpension geschickt worden. Bronner meinte: “Es war damals leichter, weil das Fernsehen liberaler war und es keine Zensur gab. Heute hat auch kein Medium diese Breitenwirkung.– Wenn man sich vor Augen hält, dass in Österreich und Deutschland die Bildung durchschnittlich im Alter von 14 Jahren aufhört, dann ist das Kabarett eine der wenigen Möglichkeiten, Vorurteile abzubauen und auf neue Gedanken zu bringen.

Nicht belehren, sondern äber den Umweg der Unterhaltung zum Umdenken bringen.Kabarett ist eine Denkschule für Erwachsene. „Für mich ist Musik zwingend im Kabarett. Text allein reicht nicht, mit Musik erreicht man die Menschen direkter. Text ist vielleicht etwas für das Hirn, in Kombination mit Musik erreicht man den ganzen K“rper.–

Gerhard Bronner ist ein gutes Beispiel, dass sich ein Einzelner auch unter schwierigsten Bedingungen mit selbständiger Tätigkeit äber Wasser halten kann, dass ein Einzelner eine große Wertschöpfung national und international schaffen kann und durch seine Arbeit politisch wirksam sein kann.

Quellen: Portrait Julia Sobieszek auf www.kabarett.at

Nachruf auf www.kabarett.at

–1 – Nachruf Silvia Lahner

Kleine Zeitung - Nachruf

Biografie auf www.kabarettarchiv.at

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