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Brutto-Netto-Rechner für Selbständige

Wieviel bleibt mir als Selbständiger oder Ein-Personen-Unternehmen (EPU) wirklich vom Umsatz übrig? Diese Frage stellen sich viele Gründerinnen und Gründer – und nicht selten kommt die ernüchternde Antwort erst am Jahresende, wenn Steuerbescheid und Sozialversicherungsnachzahlung ins Haus flattern. Eine realistische Brutto-Netto-Rechnung ist für Selbständige daher nicht nur eine Rechenübung, sondern die Grundlage für die richtige Preisgestaltung, für Rücklagen und letztlich für ein ausreichendes Einkommen.

Anders als bei Angestellten gibt es für Selbständige keinen automatischen Lohnzettel, der Brutto und Netto klar ausweist. Vielmehr müssen EPU selbst kalkulieren, welche Abgaben und Kosten von den Einnahmen abzuziehen sind. Dieser Ratgeber erklärt, worauf es bei der Brutto-Netto-Rechnung für Selbständige in Österreich ankommt.

Was bedeutet Brutto und Netto für Selbständige?

Für Selbständige bedeutet Brutto zunächst einmal die Summe aller Einnahmen, die das Unternehmen erzielt – also der Umsatz. Davon sind die Betriebsausgaben abzuziehen: Miete für Büro oder Werkstatt, Material, Versicherungen, Telefon, Fahrtkosten, Weiterbildung und vieles mehr. Was nach Abzug aller betrieblichen Ausgaben übrig bleibt, ist der Gewinn.

Doch dieser Gewinn ist noch lange nicht das verfügbare Nettoeinkommen. Vom Gewinn gehen nämlich noch zwei wesentliche Posten ab: die Sozialversicherung (SVS, früher SVA) und die Einkommensteuer. Erst was nach diesen Abzügen übrig bleibt, steht der Unternehmerin oder dem Unternehmer tatsächlich für den Lebensunterhalt zur Verfügung – das ist das Netto.

Sozialversicherung für Selbständige: SVS und Mindestbeitragsgrundlage

Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) umfasst die Pensionsversicherung, Krankenversicherung und Unfallversicherung. Die Beiträge werden auf Basis der Beitragsgrundlage berechnet, die sich grundsätzlich am Gewinn des Vorjahres orientiert. Wichtig zu wissen: Selbständige zahlen nicht nur prozentuelle Beiträge auf ihren Gewinn, sondern es gibt auch eine Mindestbeitragsgrundlage.

Das bedeutet: Auch wer wenig oder gar keinen Gewinn erzielt, muss Mindestbeiträge an die SVS entrichten. Diese Mindestbeitragsgrundlage liegt deutlich über der Geringfügigkeitsgrenze und stellt gerade für EPU mit niedrigen Einnahmen oder in der Gründungsphase eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Die tatsächlichen Beitragshöhen werden jährlich angepasst und sind in mehreren Stufen gestaffelt.

Ein weiterer Punkt: Die Sozialversicherungsbeiträge werden vorläufig auf Basis des Vorjahresgewinns festgesetzt und später nach dem tatsächlichen Gewinn endgültig berechnet. Das kann zu Nachzahlungen führen, wenn der Gewinn gestiegen ist – oder zu Gutschriften, wenn er gesunken ist. Für eine realistische Netto-Kalkulation müssen Selbständige daher immer mit den aktuell zu erwartenden Beiträgen rechnen, nicht mit denen des Vorjahres.

Einkommensteuer und Steuerprogression

Zusätzlich zur Sozialversicherung fällt auf den Gewinn die Einkommensteuer an. In Österreich gilt ein progressiver Steuertarif: Je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz. Das bedeutet, dass nicht der gesamte Gewinn mit einem einheitlichen Satz versteuert wird, sondern verschiedene Einkommensteile unterschiedlich hoch besteuert werden.

Bis zu einem bestimmten Betrag (der Freigrenze bzw. dem Grundfreibetrag) fällt gar keine Steuer an. Darüber hinaus steigt der Steuersatz in mehreren Stufen an. Wer sein Nettoeinkommen realistisch kalkulieren will, muss also die Steuerprogression berücksichtigen – ein einfacher Prozentsatz reicht nicht aus.

Auch bei der Einkommensteuer sind Vorauszahlungen zu leisten, die sich an der voraussichtlichen Steuerlast orientieren. Nach Abgabe der Steuererklärung wird die tatsächliche Steuer berechnet, was zu Nachzahlungen oder Gutschriften führen kann. Selbständige sollten daher während des Jahres Rücklagen bilden, um nicht von hohen Nachforderungen überrascht zu werden.

Warum eine realistische Kalkulation so wichtig ist

Viele EPU machen den Fehler, bei der Preisgestaltung nur die direkten Betriebsausgaben zu berücksichtigen und Sozialversicherung sowie Einkommensteuer zu unterschätzen oder ganz zu vergessen. Das Ergebnis: Die Preise sind zu niedrig kalkuliert, das verfügbare Nettoeinkommen reicht nicht zum Leben, und am Jahresende drohen Nachzahlungen, für die keine Rücklagen gebildet wurden.

Eine realistische Brutto-Netto-Rechnung ist daher unverzichtbar für:

  • die richtige Preisgestaltung: Nur wer weiß, wieviel vom Umsatz wirklich übrig bleibt, kann Preise festlegen, die ein ausreichendes Einkommen ermöglichen
  • die Liquiditätsplanung: Vorauszahlungen und Nachzahlungen an SVS und Finanzamt müssen eingeplant werden
  • die Rücklagenbildung: Ein Teil der Einnahmen muss für Steuern und Sozialversicherung zurückgelegt werden
  • die existenzsichernde Kalkulation: Armutsgefährdung bei Selbständigen entsteht oft durch unrealistische Einschätzung des Nettoeinkommens

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

Ein häufiger Fehler ist es, den Gewinn mit dem verfügbaren Einkommen gleichzusetzen. Vom Gewinn gehen aber noch erhebliche Beträge für SVS und Steuer ab – je nach Gewinnhöhe kann das mehr als ein Drittel ausmachen.

Ein weiterer Stolperstein ist die Mindestbeitragsgrundlage bei der Sozialversicherung. Gerade Gründerinnen und Gründer oder Teilzeit-Selbständige rechnen oft nicht damit, dass auch bei niedrigen Einnahmen fixe Mindestbeiträge zu zahlen sind.

Auch die Vorauszahlungen werden häufig unterschätzt. Wer im laufenden Jahr deutlich mehr verdient als im Vorjahr, muss mit Nachzahlungen rechnen – und sollte dafür rechtzeitig Geld zurücklegen. Eine gute Praxis ist es, von jeder Einnahme sofort einen bestimmten Prozentsatz auf ein Rücklagenkonto zu überweisen.

Schließlich vergessen viele EPU, dass sie für Krankenstand, Urlaub und Pension selbst vorsorgen müssen. Was bei Angestellten automatisch passiert, muss bei Selbständigen in die Kalkulation einfließen: Krankheitstage bringen keinen Umsatz, Urlaubstage ebenso wenig, und die spätere Pension aus der Selbständigenversicherung ist oft niedriger als erhofft.

Fazit: Rechnen Sie realistisch

Eine realistische Brutto-Netto-Rechnung ist für Selbständige und EPU das Fundament für wirtschaftlichen Erfolg und ein ausreichendes Einkommen. Wer Einnahmen, Betriebsausgaben, Sozialversicherung und Einkommensteuer richtig kalkuliert, kann seine Preise angemessen gestalten, Rücklagen bilden und böse Überraschungen vermeiden.

Bei FO.FO.S setzen wir uns dafür ein, dass Selbständige die notwendigen Informationen und Werkzeuge erhalten, um ihre wirtschaftliche Situation realistisch einzuschätzen. Ein Brutto-Netto-Rechner kann dabei helfen, die komplexen Zusammenhänge zwischen Umsatz, Gewinn, Sozialversicherung und Steuern durchschaubar zu machen – und so die Grundlage für eine existenzsichernde Selbständigkeit zu schaffen.

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