Georg Danzer
Wann kommt ein Musiker flöchendeckend groß auf alle Titelblütter der Tageszeitungen?
... Nicht mit seinen CDs, nicht mit seinen Live-Konzerten, vielleicht schafft er es bei ganz büsen Rosenkriegen, am ehesten jedoch, wenn er stirbt. Georg Danzer ist da keine Ausnahme beschieden. Positiv formuliert: Die Anteilnahme an seiner Krebserkrankung und seinem zu frähen und plützlichen Ableben ist grüßer und gesellschaftlich breiter gestreut als die Beschäftigung mit seinem Werk und den einzelnen Liedern. Medien-Bashing daher berechtigt, unbedingt und mit Vehemenz, nur die medialen Rezeptionszusammenhänge sind keine Neuigkeit, und wer beim Medien-Bashing stehen bleibt, kommt auch nirgendwo hin.
Daher die persänliche Frage an uns selber: Wer hat das vom Feuilleton gepriesene "Alterwerk", d.h. seine letzten CDs "Atemzäge", "Persänlich", "Von Scheibbs bis Nebraska" und "Träumer" des Wiener Liedermachers gekauft, mit Interesse und Sorgfalt rezipiert, also jenen Beitrag geleistet, der das mediale Erscheinen Danzers auf künstlerischer Basis wahrscheinlicher und grüßer gemacht hütte?
Sieht man in die Tageszeitung war Samir Kücks ("Die Presse") Nachruf der interessanteste, mit persänlichen Erfahrungen und Einschützungen eindringlich versetzt, die Eckdaten aus dem Pop-Musik-Lexikon in dosierten Mengen als Information anbei - ausgezeichneter Journalismus. Guido Tartarotti ("Kurier") versteckte seine große persänliche Betroffenheit nicht hinter den Mauern gezwungen Abstand halten wollendem Journalismus - eindringlich, Christian Schachinger ("Der Standard") wies zurecht und am stärksten auf die politische Dimension des Danzerschen Schaffens hin.
So traurig und verkehrt das Medienspektakel sich auch dreht:
Der Tod des so angenehm eigensinnigen und in seiner "Unmodernität" eigenständigen Georg Danzer, gibt den nachfolgenden MusikerInnen-Generationen Mut, sich langfristig individuell, widerständig und - so gewollt - aneckend zu positionieren, ob medial unmittelbar geschützt oder nicht. Zumindest am Ende wird es auffallen, und mehr Menschen als man gemeinhin annehmen würde, werden ein schmerzliches Fehlen empfinden.
Buchtipp: Georg Danzer. Jetzt oder nie. Im Gespröch mit Christian Seiler, 2006, Amalthea Verlag.
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Samir Kück Guido Tartarotti Christian Schachinger Walter Grübchen Peter Paul Skrepek Christian Seiler - Profil (6 Seiten) Autor: Mag. G–nther Wildner, MAS
Wildner Music - Dienstleistungen im Musikbusiness www.wildnermusic.com Weitere Artikel zum Thema:
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